1138 Einfamilienhaus ThalrainEFH Thalrain
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Oeschgen
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Pläne

Projekplan

Als sich Michael und Nicole Jehle-Infanger im Herbst 2015 an das Büro Bäumlin+John wandten, hatten sie keine genaue Vorstellung von ihrem Haus, aber sie brachten eine Liste mit Wünschen und Bedürfnissen mit, die das künftige Eigenheim an erhöhter Lage in Oeschgen zu erfüllen hat. Es sollte über vier grosszügige Schlafzimmer, drei Nasszellen (Eltern, Kinder, Gäste) und einen offenen Küchen- / Ess- / Wohnbereich verfügen. Auch wünschte sich die fünfköpfige Familie viel Tageslicht und Transparenz im Innern des Hauses: Die Wohnbereiche sollten zu grossen Teilen visuell miteinander verbunden sein. Auch den Aussenbereich galt es mit einzubeziehen, dieser sollte mit dem Innern in Verbindung stehen. Für das Grundrisskonzept wurden zwei mögliche Gestaltungen des Gebäudekörpers entworfen. Die Bauherrschaft entschied sich für die Lösung mit zwei Baukörpern, die sich zu einem L gliedern und deren Firste in unterschiedliche Richtungen weisen. Dadurch wirkt der Bau wesentlich leichter als ein L-förmiges Haus mit einem einzigen grossen Satteldach. Optisch zusammengehalten werden die beiden Körper durch eine durchgängige äussere Holzverschalung und einen rund 3 Meter breiten, doppelgeschossigen Verbindungstrakt, in dem u.a. der Eingangsbereich und der Treppenraum untergebracht sind. Der Trakt ist auf beiden Seiten mit raumhohen Fenstern ausgestattet. Damit das Tageslicht im Innern möglichst frei strömen kann und der Zwischenraum über die gewünschte Transparenz verfügt, wurden offene Treppenstufen und seitliche Wandabschlüsse aus vertikalen Holzlatten eingebaut. Die bis zu 7 Meter langen Latten ziehen sich vom UG bis ins OG und geben den Zwischenräumen eine interessante Struktur.
Doch nicht alle Wünsche liessen sich erfüllen: So stellten die Bauherren im Gespräch mit den Architekten bald fest, dass der firsthohe ‹Luftraum› (Koch- / Essbereich) kaum vereinbar ist mit dem fürs Obergeschoss vorgesehenen Raumprogramm (4 Schlafzimmer, 2 Bäder, Spielecke). Ausserdem birgt ein so hoher Raum – zusammen mit glatten Materialien wie Glas, Putz, Beton und Holzparkett - grosse akustische Herausforderungen: Stimmen und Geräusche können unangenehm hallen. Trotzdem müssen die Bauherren nicht auf den Luftraum verzichten. Das Büro Bäumlin+John hat eine elegante Lösung gefunden und den Raum kurzerhand nach draussen transferiert. Über dem Aussensitzplatz hängt nun auf Höhe des Obergeschosses eine Holzverschalung über Eck. Sie schafft einen geschützten, 6 Meter hohen Aussenraum und gewährt zugleich – dank einer geschickt gewählten Lamellenanordnung – nahezu unbeeinträchtigte Ausblicke aus dem OG. Auch im Innenbereich überzeugt das Haus mit raffinierten Lösungen und sorgsam durchdachten Details. So wurde zum Beispiel das Cheminée in ein Möbel integriert und so platziert, dass das Feuer sowohl vom Wohn- wie vom Essbereich aus zu sehen ist. Viel Freude dürfte der jungen Familie auch das ‹Sitzfenster› im Wohnzimmer bereiten. Ausgestattet mit einem 65 Zentimeter breiten Eichenholzrahmen lädt es zum Lesen und Träumen ein, während draussen der Regen an die Scheibe prasselt oder Schnee vom Himmel fällt. Die Aussenwelt verschmilzt hier mit der Innenwelt; ihre Gefahren und Widrigkeiten aber bleiben aussen vor.


Auftraggeber: Nicole + Michael Jehle
Baujahr: 2017